Taucher verfüllen Beton für Osnabrücker L+T Sporthaus

Osnabrück. Ein außergewöhnliches Projekt ist die Errichtung des neuen L + T Sporthauses ohnehin, der jüngste Bauabschnitt war aber selbst für die Baufirma etwas Besonderes: Spezialtaucher verfüllten etwa 600 Kubikmeter Unterwasserbeton und legten so das Fundament für das neue Gebäude.

OSNABRÜCK. Wie ausgestorben wirkte die Osnabrücker Innenstadt am Sonntagmorgen. Die ganze Innenstadt? Nein, hinter dem Modehaus L + T lärmten die Baumaschinen, als ob es ein ganz normaler Werktag wäre. Dabei waren die Arbeiten alles andere als Alltag: Auf dem Programm stand die Errichtung der Betonsohle für das neue L + T-Sporthaus. Weil der Bereich unter dem Grundwasserspiegel liegt, war es notwendig, den Beton unter Wasser zu verfüllen. „Um 5 Uhr morgens haben wir angefangen“, berichtete Bauleiter Lutz Brinkmann. Da für die Arbeiten die Herrenteichsstraße gesperrt werden musste, hatte sich das Modehaus entschieden, sie am verkehrsarmen Sonntag durchzuführen.

Für die Verfüllung des Betons waren Spezialtaucher aus Brandenburg angereist, die sonst beim Bau von UBahn- Stationen oder Kraftwerken sowie im Offshore- Bereich zum Einsatz kommen. Theodor Wilken von der Georgsmarienhütter Baufirma MBN konnte sich nicht erinnern, dass es so etwas in Osnabrück schon einmal gegeben hat: „Das ist schon was Besonderes.“ Für MBN sind die Arbeiten indessen keine Premiere gewesen: „In Berlin haben wir das ab und zu gemacht“, berichtete Wilken.

600 bis 650 Kubikmeter Unterwasserbeton sind für die Errichtung des Fundaments nötig, berichtete Brinkmann. Die Größe der Sohle entspreche einem „kleinen Fußballfeld“. Lkws brachten das Material von Werken in Georgsmarienhütte und am Osnabrücker Hafen zur Baustelle. Dort wurden die Wagen an ein 55 Meter langes Rohr angeschlossen und der Beton in das Baubecken gepumpt – 65 Kubikmeter pro Stunde.

Zwei Tauchkolonnen kamen bei der Aktion zum Einsatz. Die eine kümmerte sich an der Betonpumpe um die Verfüllung, die andere saugte am anderen Ende des Beckens parallel den Schlamm ab, damit sich dieser nicht mit dem Beton vermischte. Die Spezialisten arbeiteten in etwa fünf Meter Tiefe und mussten sich auf ihre Hände verlassen: „Es gibt kein großes Sichtfeld“, meinte Brinkmann.

Ursprünglich hatten die Taucher bereits im November das Fundament legen sollen, die Arbeiten verzögerten sich jedoch: „Wir hatten ein paar Probleme mit dem Aushub“, so der Bauleiter, außerdem mussten noch Holzpfähle, Überreste des Wilhelmstifts, entfernt werden. Angesichts der Komplexität des Bauvorhabens könne man sich „Hauruckaktionen“ nicht erlauben, unterstrich Brinkmann. Das Motto laute: „Lieber einen Tag mehr.

Die Taucharbeiten selbst verliefen dann problemlos: „Es hat alles optimal funktioniert“, freute sich der Experte. Das winterliche Wetter habe auf die Verfüllung keinen Einfluss gehabt. „Meine größte Sorge war tatsächlich, dass die Lkws nicht zur Baustelle kommen“, meinte der Bauleiter und lachte.

Nun heißt es warten. Etwa 14 Tage dauert es, bis sich der Beton verfestigt hat. „Wir fangen dann langsam an, das Wasser abzupumpen“, erklärte Brinkmann. Geschäftsführer Alexander Berger rechnet derzeit damit, dass das neue Sporthaus Anfang 2018 seine Türen öffnen kann. Dort, wo jetzt die Taucher ans Werk gingen, sollen dann Surfer elegant auf einer stehenden Welle reiten.

Quelle: NOZ vom 16.01.2017. Autorin und Fotografin: Danica Pieper.